Tokyo Godfathers

Und noch ein Weihnachtsfilm: Es ist Heiligabend, man singt „Stille Nacht“ auf Japanisch und in den Straßen Tokyos ist eine heilige Familie der besonderen Art unterwegs. Natürlich mit Kind.

(Es gab da wohl auch im Jahre 1948 mal einen Western von John Ford, mit dem Titel „Three Godfathers“, der hier irgendwie als Vorlage diente, aber dessen Geschichte ist eigentlich eine ganz andere, und er spielte natürlich auch nicht in Tokyo und war kein Anime, sondern mit John Wayne, weshalb er hier nicht weiter von Interesse ist.)

Die drei Paten in „Tokyo Godfathers“, hingegen wurden vom früh verstorbenen Satoshi Kon kreiert, der nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch für die Regie verantwortlich war und der von sich selbst sagte, er sei die üblichen Klischees der japanischen Animes in Massenproduktion – „robots and beautiful little girls“ – einfach leid, weshalb es hier konsequenterweise weder das eine noch das andere zu sehen gibt, denn Roboter sind in diesem Teil Tokyos ferne Luxusprodukte und kleine Mädchen kratzbürstig bis aggressiv.

Überhaupt sind die Heldinnen und Helden dieser Geschichte, ebenso wie ihre näheren Lebensumstände, eher ungewöhnlich, nicht nur für einen japanischen Zeichentrickfilm, den man übrigens, wie ja eigentlich alle Filme, unbedingt in der Originalfassung schauen sollte, denn die japanischen Sprecher machen ihre Sache unübertreffbar gut. Fürs Verständnis gibt es ja Untertitel und man kann auch gleich ein paar interessante japanische Redewendungen und Schimpfwörter mitnehmen. Von Letzteren einmal abgesehen: ja, dieser Film ist kitschig, aber das ist Weihnachten schließlich auch. Und wer das nicht aushalten kann, schaut sich zur Erholung einfach nochmal diesen Film hier an.

(Tokyo Godfathers, Japan 2003; Regie: Satoshi Kon.)