Welt am Draht

Das muss man sich auch erst einmal leisten können: Während Rainer Werner Fassbinder international noch immer als einer der wichtigsten deutschen Filmemacher gilt, wurde und wird sein Werk in seinem Heimatland eher kontrovers aufgenommen: zwar erhielt er auch in Deutschland zahlreiche Auszeichnungen, aber bis zu einer Academy Award Nominierung kam es z. B. nie, was auch kaum möglich war, da von seinen vielen Filmen (44 in 13 Jahren) überhaupt nur ein einziger (Lili Marleen, 1981) für den Wettbewerb um den Besten Fremdsprachigen Film aus Deutschland eingereicht wurde.

Andere schafften es gar nicht erst in die Kinos, schon nicht in die deutschen, von Europa oder den USA ganz zu schweigen: Fassbinders von einem Goldmann Taschenbuch inspirierter, zweiteiliger Science-Fiction Film „Welt am Draht“ wurde beispielsweise 1973 für ca. 950.000 DM unter Einsatz von zahlreichen Schauspielern (sowohl des ‚Fassbinder-Ensembles‘, als auch von deutschen Schauspieler-Größen damals schon eher vergangener Tage…) und einiger ziemlich origineller Special Guests (z. B. Rainer Langhans, Eddie Constantine, Werner Schroeter, Christine Kaufmann) im Auftrag des WDR produziert. Die Uraufführung gab es dementsprechend am 14. und 16.10.1973 im Westdeutschen Rundfunk Köln, wo er trotz überwiegend positiver Kritiken auch weiterhin verblieb: im Fernsehen, wo er von sehr seltenen Wiederholungen einmal abgesehen, schlicht nicht zu sehen war. Und auch die Tatsache, dass Rainer Werner Fassbinder in den darauffolgenden Jahren im In- und Ausland mehr und mehr zu einem geachteten und geehrten Filmemacher wurde, änderte daran nichts. „Welt am Draht“ kam nicht in die Kinos, er war nicht auf VHS und auch später nicht auf DVD erhältlich.

Erst als sich Jahrzehnte später die Rainer Werner Fassbinder Foundation anlässlich des 65. Geburtstages von Fassbinder und des 75. Geburtstages von Michael Ballhaus, daran machte, eine restaurierte und digitalisierte Fassung zu erstellen, was immerhin auch das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) für förderungswürdig hielt, und die im Rahmen der Berlinale 2010 ihre Uraufführung hatte, kam eben diese Fassung auch als DVD auf den Markt und in den USA in die Kinos, wo er, auch viele Jahre nach seiner Entstehung, gleich wieder inspirierend wirkte.

(Welt am Draht, Deutschland 1973/2010; Regie: Rainer Werner Fassbinder.)