{"id":664,"date":"2011-09-15T09:29:37","date_gmt":"2011-09-15T08:29:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/?p=664"},"modified":"2013-01-16T21:15:17","modified_gmt":"2013-01-16T20:15:17","slug":"ein-andalusischer-hund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/2011\/09\/ein-andalusischer-hund\/","title":{"rendered":"Un Chien Andalou"},"content":{"rendered":"<abbr class=\"unapi-id\" title=\"\"><!-- &nbsp; --><\/abbr>\n<div>\n<p><em>\u201eDieser Film ging aus einer Begegnung zweier Tr\u00e4ume hervor. <a href=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/27\/Salvador_Dali_NYWTS.jpg\" target=\"_blank\">Dal\u00ed<\/a> hatte mich eingeladen, ein paar Tage bei ihm in Figueras zu verbringen, und als ich dort ankam, erz\u00e4hlte ich ihm, dass ich kurz vorher getr\u00e4umt h\u00e4tte, wie eine langgezogene Wolke den Mond durchschnitt und wie eine Rasierklinge ein Auge aufschlitzte. Er erz\u00e4hlte mir seinerseits, dass er in der voraufgehenden Nacht im Traum eine Hand voller Ameisen gesehen habe, und f\u00fcgte hinzu: \u201aUnd wenn wir daraus einen Film machten?\u2018\u201c<\/em><\/p>\n<p>So erz\u00e4hlt es <a href=\"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/tag\/luis-bunuel\/\" target=\"_blank\">Luis Bu\u00f1uel<\/a> im Kapitel <em>Un Chien Andalou<\/em> seiner Erinnerungen <a href=\"http:\/\/www.alexander-verlag.com\/programm\/titel\/58-Mein_letzter_Seufzer.html\" target=\"_blank\">\u201eMein letzter Seufzer\u201c<\/a>. Dort erf\u00e4hrt man auch, dass das Drehbuch \u201ein weniger als einer Woche nach einer sehr einfachen Regel\u201c geschrieben wurde: \u201ekeine Idee, kein Bild zuzulassen, zu dem es eine rationale, psychologische oder kulturelle Erkl\u00e4rung g\u00e4be; die Tore des Irrationalen weit zu \u00f6ffnen; nur Bilder zuzulassen, die sich aufdr\u00e4ngen, ohne in Erfahrung bringen zu wollen, warum.\u201c Kein Wunder also, dass Bu\u00f1uel nach Abschluss des Drehbuchs feststellte, \u201edass es sich um einen h\u00f6chst ungew\u00f6hnlichen, provozierenden Film handeln w\u00fcrde, den kein normales Produktionssystem akzeptierte.\u201c Also leiht er sich Geld von seiner Mutter, und nachdem er die H\u00e4lfte davon in verschiedenen Bars in Paris durchgebracht hat, macht er sich an die Dreharbeiten, welche 14 Tage dauern, von denen Dali allerdings die meisten in seinem Atelier damit verbringt, \u201ePech in die Augen der ausgestopften Eselsk\u00f6pfe zu gie\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p>Dennoch kam es auf Betreiben von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Man_Ray\" target=\"_blank\">Man Ray<\/a> 1929 sogar zu einer \u00f6ffentlichen Premiere, bei der nicht nur die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Surrealismus#Die_Surrealisten-Gruppe\" target=\"_blank\">Gruppe der Surrealisten<\/a>, u. a. Max Ernst, Hans Arp und Ren\u00e9 Magritte vollst\u00e4ndig vertreten waren, sondern auch nahezu die gesamte intellektuelle und kreative Szene von Paris, inklusive Picasso, Le Corbusier, und Cocteau. Bu\u00f1uel selbst war nat\u00fcrlich einigerma\u00dfen aufgeregt und hatte, so behauptet er, sich Steine in die Taschen gelegt, um im Falle eines Misserfolgs das Publikum damit zu bewerfen. Dazu kam es gl\u00fccklicherweise nicht, der Film war ein Erfolg und zudem noch ein derart dauerhafter, dass er \u00fcber acht Monate im Kino lief und st\u00e4ndig ausverkauft war, was Bu\u00f1uel nicht nur Geld einbrachte, sondern auch eine Menge \u00c4rger, denn w\u00e4hrend die Einen forderten, man solle <em>Un Chien Andalou<\/em> verbieten, verlangten die Surrealisten eine Erkl\u00e4rung von Bu\u00f1uel, wie es passieren konnte, dass der als Skandal gedachte Film pl\u00f6tzlich so erfolgreich \u2013 noch dazu auch kommerziell! \u2013 sein konnte&#8230;?<\/p>\n<p>Seither wurde er von vielen Regisseuren zitiert, darunter so unterschiedliche wie Hitchcock (<em>Spellbound<\/em> 1945 und <em>North by Northwest<\/em> 1959), Henri-Georges Clouzot (<a href=\"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/2011\/06\/les-diaboliques\/\" target=\"_blank\"><em>Les Diaboliques<\/em> 1955<\/a>), James Cameron (<em>The Terminator<\/em> 1984), David Lynch (<em>Blue Velvet<\/em> 1986), Pedro Almod\u00f3var (<a href=\"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/2011\/08\/frauen-am-rande-des-nervenzusammenbruchs\/\" target=\"_blank\"><em>Mujeres al Borde de un ataque de nervios<\/em> 1988<\/a>), Jonathan Demme (<em>The silence of the lambs<\/em> 1991), Krzysztof Kieslowski (<em>La double vie de V\u00e9ronique<\/em> 1991), Andy und Lana Wachowsky (<em>Matrix<\/em> 1999), Gore Verbinsky (<em>Ring<\/em> 2002) und Chan-wok Park (<a href=\"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/2011\/09\/oldboy\/\" target=\"_blank\"><em>Oldboy<\/em> 2003<\/a>), um nur einige wenige zu nennen, eine ausf\u00fchrliche, aber vermutlich immer noch nicht vollst\u00e4ndige Liste findet sich z. B. <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0020530\/movieconnections\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Man sieht also, es lohnt sich durchaus, die 16 Minuten Zeit zu investieren, die <em>Un Chien Andalou<\/em> dauert, zudem man ihn ganz einfach und legal im Netz anschauen kann, z. B. <a href=\"http:\/\/www.archive.org\/details\/TheAndalusianDog\" target=\"_blank\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/video.google.com\/videoplay?docid=-8282553822030005498#\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">(Un Chien Andalou, Frankreich 1929; Regie: Luis Bu\u00f1uel.)<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDieser Film ging aus einer Begegnung zweier Tr\u00e4ume hervor. Dal\u00ed hatte mich eingeladen, ein paar Tage bei ihm in Figueras zu verbringen, und als ich dort ankam, erz\u00e4hlte ich ihm, dass ich kurz vorher getr\u00e4umt h\u00e4tte, wie eine langgezogene Wolke den Mond durchschnitt und wie eine Rasierklinge ein Auge aufschlitzte. 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