{"id":365,"date":"2011-05-26T09:29:42","date_gmt":"2011-05-26T08:29:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/?p=365"},"modified":"2012-08-28T22:11:47","modified_gmt":"2012-08-28T21:11:47","slug":"die-verachtung-le-mepris","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/2011\/05\/die-verachtung-le-mepris\/","title":{"rendered":"Die Verachtung (Le M\u00e9pris)"},"content":{"rendered":"<abbr class=\"unapi-id\" title=\"\"><!-- &nbsp; --><\/abbr>\n<div>\n<p>Als Jean-Luc Godard im Februar 2011 mit dem Ehren-Oscar f\u00fcr sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, reiste er nicht zur Verleihung nach Hollywood und auf die Frage, was ihm dieser Preis bedeute, antwortete er: <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/~\/ich_werde_nicht_gern_mit_picasso_verglichen__er_malte_zu_viele_teller_1.8293071.html\" target=\"_blank\">\u201eNichts.\u201c Und weiter: \u201eWenn das der Academy gef\u00e4llt, soll sie es tun. Aber ich finde es seltsam. Welche Filme von mir haben die gesehen?, fragte ich mich. Kennen die meine Filme \u00fcberhaupt?&#8221;<\/a>. Eine durchaus berechtigte Frage, sollte man meinen, denn vermutlich haben auch au\u00dferhalb der Academy of Motion Picture, Arts and Science sehr viel mehr Menschen vom Filmregisseur Godard irgendwie mal geh\u00f6rt, dass er sehr bedeutend ist, als tats\u00e4chlich seine Filme gesehen. Und auch wenn er von <a href=\"http:\/\/www.stevensoderbergh.net\/articles\/2003\/frenchnewwaveinfluences.php\" target=\"_blank\">anderen Regisseuren gerne als gro\u00dfes Vorbild bezeichnet wird, hat man bisweilen den Eindruck, es gehe diesen in erster Linie darum, ihre eigene Intellektualit\u00e4t durch solche gut zitierbaren \u00c4u\u00dferungen zu unterstreichen<\/a>.<\/p>\n<p>Doch Jean-Luc Godard, der Filmkritiker, -Theoretiker und Regisseur, macht es einem auch nicht immer leicht. Man kann seine Filme unverst\u00e4ndlich finden, langweilig oder aufgeblasen, aber man kann sich auch darauf einlassen und mit etwas gutem Willen lernt man nicht nur erstaunlich viel \u00fcber das Kino, sondern kriegt mitunter auch einen \u00fcberraschend sch\u00f6nen Film zu sehen, wie z.B. diesen: Le M\u00e9pris (Die Verachtung) von 1963. Zwar wird auch hier, wie \u00fcberhaupt gerne bei Godard, das Ende des Kinos schon bei Minute 6:40 ausgerufen, doch tats\u00e4chlich hat er wieder sehr viel zum Thema beizutragen \u2013 in Form von Zitaten, Allegorien und Doppeldeutigkeiten, ebenso wie durch wundersch\u00f6ne Bilder.<\/p>\n<p>Mehr Sinn f\u00fcr die Sch\u00f6nheit der Hauptdarstellerin Brigit Bardot, als f\u00fcr den Film hatten allerdings seine Produzenten. Denn w\u00e4hrend Godard noch in den 1950ern einer der engagiertesten Vertreter des \u201aAutorenkinos\u2018 war, dem franz\u00f6sischen Gegenentwurf zum \u201aProduzentenkino\u2018 a la Hollywood, wollte er Anfang der 1960er Jahre auch einmal einen Film mit einem gro\u00dfen Budget drehen. Und einem richtigen Star. So kam er an die Produzenten George de Beauregard, Carlo Ponti und an das Geld des amerikanischen Produzenten Joseph E. Levine. Es sollte seine einzige Produktion dieser Art bleiben und nicht zuletzt der Film selbst zeigt auf anschauliche Weise warum.<\/p>\n<p>Zwar gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Michel Piccoli in seiner ersten Hauptrolle, durchaus harmonisch und vor allem bekam Godard auf diese Weise die Gelegenheit, mit Fritz Lang zu arbeiten, der, damals 73 Jahre alt, ganz einfach sich selbst darstellte und offensichtlich gro\u00dfen Spa\u00df dabei hatte. Auf der anderen Seite versuchten die Produzenten allerdings massiv in Godards Arbeit einzugreifen, was f\u00fcr ihn sicherlich enervierend war, f\u00fcr das Publikum aber ausgesprochen unterhaltsam ist, da er seine Erfahrungen mehr oder minder ungebremst in den Film einflie\u00dfen lie\u00df. So wurde er z.B. gen\u00f6tigt in Cinemascope zu drehen, was er im Film entsprechend kommentieren l\u00e4sst (Paul: I like Cinemascope very much. \u2013 Fritz Lang: Oh, it wasn\u2018t meant for human beings. Just for snakes \u2013 and funerals.). Zudem bestanden die Produzenten auf Nacktszenen mit Brigitte Bardot, die Godard schlie\u00dflich ebenso unwillig wie demonstrativ einbaute, w\u00e4hrend er zugleich die Darstellung des fiesen Produzenten im Film um weitere authentische Details bereicherte.<\/p>\n<p>Immerhin, das Kinopublikum hatte 1963 wohl doch andere Vorlieben als die Produzenten, denn auf der Liste der erfolgreichsten Filme seines Erscheinungsjahres schaffte es Le M\u00e9pris selbst in Frankreich nur auf Platz sieben, trotz Brigit Bardot in nackig, und war damit offiziell ein Kassen-Flop, f\u00fcr Jean-Luc Godard allerdings ist es bis heute, wenn auch nur in finanzieller Hinsicht, sein gr\u00f6\u00dfter Erfolg.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">(Le M\u00e9pris, Frankreich, Italien 1963; Regie: Jean-Luc Godard.)<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Jean-Luc Godard im Februar 2011 mit dem Ehren-Oscar f\u00fcr sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, reiste er nicht zur Verleihung nach Hollywood und auf die Frage, was ihm dieser Preis bedeute, antwortete er: \u201eNichts.\u201c Und weiter: \u201eWenn das der Academy gef\u00e4llt, soll sie es tun. Aber ich finde es seltsam. Welche Filme von mir haben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,19],"tags":[29],"class_list":["post-365","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-film-uber-filme","category-gutgekleidete-manner","tag-frankreich"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/365","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=365"}],"version-history":[{"count":17,"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/365\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":376,"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/365\/revisions\/376"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}