{"id":315,"date":"2011-04-28T08:58:11","date_gmt":"2011-04-28T07:58:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/?p=315"},"modified":"2013-07-09T08:42:19","modified_gmt":"2013-07-09T07:42:19","slug":"8-12","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/2011\/04\/8-12\/","title":{"rendered":"8 1\/2"},"content":{"rendered":"<abbr class=\"unapi-id\" title=\"\"><!-- &nbsp; --><\/abbr>\n<div>\n<p><em>\u201eIch wollte einen ehrlichen Film machen. Ohne jede L\u00fcge. Ich glaubte, ich h\u00e4tte etwas so Einfaches zu sagen. Ein Film, der f\u00fcr alle irgendwie von Nutzen sein k\u00f6nnte, der helfen k\u00f6nnte, f\u00fcr immer alles zu begraben, was wir an Totem in uns tragen. Dabei bin vor allem ich es, dem der Mut fehlt, irgendetwas zu begraben. Und jetzt wei\u00df ich nicht, wo mir der Kopf steht und hab diesen Turm am Hals. Wer wei\u00df, wieso das alles so gekommen ist. Wann genau habe ich den falschen Weg eingeschlagen? Ich hab halt einfach nichts zu sagen. Und trotzdem m\u00f6chte ich etwas sagen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ja, Guido Anselmi (Marcello Mastroianni), der bekannte und bislang erfolgreiche Regisseur, steckt in einer Krise. Sein aktueller Film ist eigentlich schon in der Produktion, die Finanzierung steht jedenfalls und auch ein Teil der Kulisse wurde bereits mit gro\u00dfem Aufwand und Kosten errichtet. Nun wollen die Schauspieler ihre Rollen und Anweisungen, wie sie zu spielen sind, der Produzent den raschen Drehbeginn und -Fortschritt, und die Presse Informationen \u00fcber Inhalt und Bedeutung des Films, ebenso, wie \u00fcber die politischen und religi\u00f6sen Ansichten des Regisseurs. Kurz, alle haben Erwartungen, Fragen und W\u00fcnsche an ihn, aber: ihm f\u00e4llt nichts mehr ein. Gut, vielleicht w\u00e4re sein Leben etwas einfacher, wenn er ein bisschen weniger egozentrisch und narzisstisch w\u00e4re, und wenn er nicht immer alles auf einmal haben wollte, auch im Privatleben, die Ehefrau, die Geliebte, ja eigentlich alle Frauen, oder auch wieder gar keine, weil sie ja doch alle so anstrengend und fordernd sind. Aber er ist nun mal, wie er ist und auf diese Weise kann er weder seinen Film, noch alles andere in den Griff kriegen.<\/p>\n<p><em>\u201eNicht vergessen: dies ist eine Kom\u00f6die\u201c<\/em> soll Federico Fellini sich beim Dreh zur Erinnerung an die Kamera gepinnt haben und ganz offensichtlich hat er darauf geh\u00f6rt, denn immer dann, wenn unser Held, der nat\u00fcrlich auch irgendwie Fellini selbst ist, all zu sehr in seiner Schwermut aufgeht, korrumpiert er ihn mit Szenen von skurriler Komik.<\/p>\n<p>Nach seiner eigenen Z\u00e4hlung (sechs Spielfilme, zwei Kurzfilme und einmal Co-Regie) war dies Fellinis Film Nummer <em>otto e mezzo<\/em> (achteinhalb), daher der Titel, obwohl der Arbeitstitel \u201e<em>La Bella Confusione\u201c<\/em> (Die sch\u00f6ne Verwirrung) auch sehr passend gewesen w\u00e4re. Fellini f\u00fchrte aber nicht nur die Regie, sondern er schrieb auch das Drehbuch, und legte dabei auch gleich die denkbar h\u00e4rteste Kritik dem Drehbuchautor selbst in den Mund: <em>\u201eEins ist mir bei der Lekt\u00fcre des Drehbuches sofort aufgefallen, der Mangel an jeglicher Problematik, oder, wenn Sie so wollen, an einer philosophischen Grundlage. Das macht den Film zu einer Folge von unzusammenh\u00e4ngenden Episoden. Ich will durchaus nicht bestreiten, dass sie sehr unterhaltsam sein k\u00f6nnen, in ihrem zweideutigen Realismus, aber, man fragt sich, was wollen sie eigentlich, die Autoren? Wollen sie uns zum Nachdenken anregen, oder wollen sie uns Angst einjagen? Die Story enth\u00fcllt von Anfang bis Ende eine solche Armut an dichterischen Einf\u00e4llen, entschuldigen Sie, aber f\u00fcr mich ist sie einer der eklatantesten und ersch\u00fctterndsten Beweise daf\u00fcr, dass der Film im Vergleich zu den anderen Kunstformen um 50 Jahre im R\u00fcckstand ist. Das Sujet hat nicht einmal den Wert, der manchmal einen avantgardistischen Film auszeichnet, auch wenn es alle seine sonstigen Schw\u00e4chen aufweist.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dies w\u00e4re, wollte man es tats\u00e4chlich auf <em>8 \u00bd<\/em> beziehen, nat\u00fcrlich unerh\u00f6rt tiefgestapelt, und k\u00f6nnte nur als reine Koketterie verstanden werden. Noch dazu f\u00fcr einen Film, in den Fellini einfach alles hineingepackt hat, sogar eine Rumba tanzende Saraghina und einen steppenden Matrosen!<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">(8 \u00bd, Italien 1963; Regie: Federico Fellini.)<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch wollte einen ehrlichen Film machen. Ohne jede L\u00fcge. Ich glaubte, ich h\u00e4tte etwas so Einfaches zu sagen. Ein Film, der f\u00fcr alle irgendwie von Nutzen sein k\u00f6nnte, der helfen k\u00f6nnte, f\u00fcr immer alles zu begraben, was wir an Totem in uns tragen. 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