{"id":233,"date":"2011-03-24T10:44:14","date_gmt":"2011-03-24T09:44:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/?p=233"},"modified":"2012-08-28T22:19:50","modified_gmt":"2012-08-28T21:19:50","slug":"fahrenheit-451-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.radiolarium.net\/movies\/2011\/03\/fahrenheit-451-4\/","title":{"rendered":"Fahrenheit 451"},"content":{"rendered":"<abbr class=\"unapi-id\" title=\"\"><!-- &nbsp; --><\/abbr>\n<div>\n<p><em>\u201e<span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Well, it&#8217;s a job just like any other. Good work with lots of variety. Monday, we burn Miller; Tuesday, Tolstoy; Wednesday, Walt Whitman; Friday, Faulkner; and Saturday and Sunday, Schopenhauer and Sartre. We burn them to ashes and then burn the ashes. That&#8217;s our official motto.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Die Kritiker mochten ihn nicht, das Publikum wollte ihn nicht sehen und der Regisseur h\u00e4tte ihn sp\u00e4ter auch lieber nicht gedreht haben wollen. Tats\u00e4chlich ist es nicht der beste Film von Francois Truffaut und dass, obwohl es sein erster Farbfilm war und Farben hier sehr bewusst eingesetzt werden, und ihn die Geschichte von Ray Bradbury immerhin so fasziniert hatte, dass er entgegen seiner fr\u00fcheren Aussagen, er werde niemals einen Science Fiction Film drehen, es hiermit eben doch tat und zudem noch sechs Jahre lang Zeit und Nerven investierte, um die dazu n\u00f6tigen Finanzen aufzutreiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Das Ensemble war zumindest vielversprechend: Mit Oskar Werner hatte Truffaut wenige Jahre zuvor bei seinem Film Jules und Jim erfolgreich zusammen gearbeitet, Julie Christie hatte gerade erst einen Oscar erhalten (nein, nicht f\u00fcr Doktor Schiwago), die Kamera f\u00fchrte Nicolas Roeg, der wenig sp\u00e4ter auch als Regisseur erfolgreich werden sollte (Wenn die Gondeln Trauer tragen, ebenfalls mit Julie Christie) und die Musik schrieb Bernard Herrmann, der Komponist zahlreicher Filme (u.a. Vertigo, Psycho) des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mr._Hitchcock,_wie_haben_Sie_das_gemacht%3F\" target=\"_blank\">von Truffaut so \u00fcberaus verehrten Meisters Alfred Hitchcock<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Allein, es haperte schon an der Sprache. Um das Projekt finanzieren zu k\u00f6nnen, lie\u00df Truffaut sich mit Hollywood ein \u2013 zum ersten und letzten Mal. Gedreht wurde in England, in den Pinewood Studios, von denen er nicht viel hielt, mit englischen Schauspielern, f\u00fcr die eigentlich dasselbe galt. Des Englischen selbst nicht m\u00e4chtig, wollte Truffaut aber doch Drehbuch und Dialoge weitgehend selbst schreiben und dass, obwohl er schon f\u00fcr die t\u00e4gliche Zusammenarbeit mit einem Gro\u00dfteil seiner Crew auf eine Dolmetscherin zur\u00fcckgreifen musste. Au\u00dferhalb der Dreharbeiten zog er sich soweit wie m\u00f6glich zur\u00fcck, ja, er soll nach seiner R\u00fcckkehr Freunden auf die Frage, wie London denn sei, geantwortet haben, dass wisse er nicht, er habe in seiner Freizeit das Hilton nicht verlassen und sich sogar seine Mahlzeiten auf das Zimmer bringen lassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Schlussendlich war es dann aber wohl Oskar Werner, mit dem Truffaut bis zu diesem Film befreundet gewesen war, der ihn nahezu zur Verzweiflung trieb. Truffaut, der eher daf\u00fcr bekannt war, jeder Konfrontation aus dem Weg zu gehen und sein Hauptdarsteller Werner waren v\u00f6llig unterschiedlicher Auffassung wie die Rolle Werners zu interpretieren sei, Truffaut wollte einen devoten Anti-Helden, einen Mitl\u00e4ufer, Werner stellte sich das genaue Gegenteil vor. Das Ganze ging dann angeblich soweit, dass Werner Truffauts Anweisungen schlicht ignorierte und ganze Szenen sabotierte, inklusive der Tatsache, dass er absichtlich einen Continuity-Fehler herbei f\u00fchrte, in dem er sich die Haare schneiden lie\u00df.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Und doch. Schon die gesprochenen Eingangstitel, zu denen Antennen auf Hausd\u00e4chern gezeigt werden, geben uns einen Eindruck, womit wir es hier zu tun haben: die ganze Welt ist eine einzige Kleinstadt, und wer nicht arbeitet, h\u00e4ngt vor der Glotze. B\u00fccher sind verboten, Zigaretten und alle Arten von Drogen, am liebsten in Form bunter Pillen daf\u00fcr erlaubt. Narzissmus und Passivit\u00e4t sind gesellschaftlich erw\u00fcnscht, Individualit\u00e4t und Zur\u00fcckgezogenheit erwecken Argwohn. Dementsprechend schwierig gestaltet sich das Privatleben unseres Helden: mal kommt er nach Hause, um seine v\u00f6llig apathische Frau vor dem riesigen Fernsehschirm im Wohnzimmer anzutreffen, die auf seine Nachricht, er werde wohl bef\u00f6rdert nur den Wunsch nach einem weiteren wandgro\u00dfen Fernsehschirm, z\u00e4rtlich \u201efamily wall\u201c genannt, \u00e4u\u00dfert, w\u00e4hrend sie sich beim n\u00e4chsten Mal mit den Pillen, die ihr Entspannung und Gleichg\u00fcltigkeit garantieren, vergiftet hat. \u2013 Kein Problem allerdings, in dieser Gesellschaft ist Abhilfe in solchen F\u00e4llen reine Routine und am n\u00e4chsten Tag ist die Gattin wie neu. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Auch wie Truffaut sich \u00fcber das Fernsehen lustig macht und nebenbei zeigt, wie man ganz einfach und bequem auch vom heimischen Wohnzimmer aus einen Auftritt in der eigenen Lieblingsserie bewerkstelligen kann, ist sehenswert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: DejaVu Sans;\">Und immerhin einer war hochzufrieden mit Fahrenheit 451: Ray Bradbury, der Autor der zugrunde liegenden Science Fiction-Geschichte, dessen Werke oft verfilmt wurden, teilweise mit weit mehr Aufwand und Budget, war \u00fcberdies der Ansicht, der Film werde von Jahr zu Jahr besser. Und er musste es ja eigentlich wissen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">(Fahrenheit 451, Gro\u00dfbritannien 1966; Regie: Francois Truffaut.)<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWell, it&#8217;s a job just like any other. Good work with lots of variety. Monday, we burn Miller; Tuesday, Tolstoy; Wednesday, Walt Whitman; Friday, Faulkner; and Saturday and Sunday, Schopenhauer and Sartre. We burn them to ashes and then burn the ashes. 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